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22.08.2009

Hausärzte sind echte Zehnkämpfer

CDU Kreisverband thematisiert Ärzteversorgung

Wildberg/ Calw (bf). Dr. Bernd Walz, selbst niedergelassener Hausarzt aus Wildberg, wählte deutliche Worte als er dem CDU Kreisvorstand über die Ärztesituation im ländlichen Raum berichtete. Knapp 20% der Ärzte im Kreis Calw sind bereits über 60 Jahre alt, nur knappe 5%  jünger als  40 Jahre. Die schwierige Suche nach geeigneten Nachfolgern beschrieb Walz als dringendes Anliegen und verwies auf akuten Handlungsbedarf durch die Politik.

Thomas Blenke, CDU Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter, hatte schon im vergangenen Jahr mit einer parlamentarischen Initiative im Stuttgarter Landtag erstmals das Thema aufgegriffen. Die Antwort ließ Blenke aufhorchen, zumal im Kreis Calw bereits heute einige Arztpraxen nicht mehr besetzt werden können. Blenke dazu: »Die Ärzteversorgung ist eines der höchsten Güter für Lebensqualität und die gilt es gerade im ländlichen Raum zu sichern.« Dr. Bernd Walz, gleichzeitig Vorsitzender der Kreisärzteschaft, schilderte die aktuelle Lage sehr eindrücklich: »Bis zum Jahr 2015 werden allein im Kreis Calw voraussichtlich zehn Hausärzte fehlen.« Walz verwies in der Ursachenforschung auf den Umstand der zunehmenden Feminisierung des Berufes. Die Lebensplanung der weiblichen Ärzte unterscheide sich, eine Tätigkeit in Teilzeit oder ein Job für den Partner, der nicht in der Praxis mitarbeitet, sind im städtischen Raum tendenziell eher möglich wie auf dem Land. Über 60% der Studienabgänger seien weiblich und bräuchten in der Regel verstärkt die städtischen Einrichtungen wie Ganztageseinrichtungen zur Verwirklichung des Kinderwunsches. Außerdem sei die Zahl der Notfalldienste im ländlichen Raum deutlich höher wie in Ballungsgebieten. »In Calw teilen sich 37 Ärzte die Notfalldienste auf, im Raum Wildberg sind dies eben nur zehn Ärzte.« Hier sei eine andere Bezirkseinteilung nötig, die eine gleichmäßigere Belastung der Ärzte gewährleistet. Zudem wies Walz auf die pauschalen Vergütungsstrukturen hin: »Pro behandeltem gesetzlich versicherten Patienten erstattet die Kasse 35,77 € im Quartal. Unabhängig davon ob der Patient einen kleinen Husten mitbringt, der schnell behandelt ist oder ob eine schwere Erkrankung vorliegt mit zahlreichen Anwendungen im physiotherapeutischen Bereich.« Die ständigen Umstellungen der Dokumentationspflichten seien zudem eine echte Last, unverständliche Bürokratie und für viele Ärzte kaum zu verkraften. Dr. Walz nutzte das Bild eines Zehnkämpfers, um zu beschreiben, wie sich ein Hausarzt fühle:»In jeder Disziplin muss er sich gut auskennen und zurecht kommen – aber Spezialist auf einem Gebiet ist er eben nicht.« Gerade die Zehnkämpfer gelten als herausragende Spezies unter den Sportlern – und deswegen gelte es, sie zu hegen und zu pflegen.

Hans-Joachim Fuchtel MdB stellte in der folgenden Aussprache den Numerus Clausus in dem Studienfach Medizin infrage, der dazu führe, dass nur 1,0 Abiturienten Chancen auf ein Studium hätten – obwohl sicherlich schwächere Abiturienten keine schlechteren Ärzte seien, sondern andere Pfunde in die Wagschale werfen würden. »Im Gegenteil: Die Top-Abgänger wählen doch häufig den Weg in die pharmazeutische Wirtschaft oder die Medizintechnik und nicht mehr die Tätigkeit als Hausarzt«, fasste Fuchtel seine Eindrücke zusammen. Blenke plädierte dafür eine Imagekampagne für Ärzte auf dem Land zu starten und gezielt Stipendien zu vergeben, die an eine spätere Tätigkeit als Hausarzt in ländlichen Gegenden gebunden sind. Der CDU Kreisvorstand möchte sich dafür stark machen, dass in den Kreiskrankenhäusern Calw und Nagold die Klinikausbildung der angehenden Ärzte ermöglicht wird, so dass angehende Mediziner bereits mit dem Kreis Calw in Berührung kommen.

Von: Benjamin Finis | CDU Pressereferent