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26.11.2009

Windenergie

CDU fordert Berücksichtigung des sensiblen Landschaftsbildes bei Standortplanung für Windräder

Würzbach/ Calw (bf). Oberreichenbachs Bürgermeister Kistner stellte gleich zu Beginn seiner detaillierten Ausführungen dar, dass die geplante Errichtung von drei Windrädern am Standort Naißlach weltweit seinesgleichen sucht. Mit 160m Nabenhöhe und einem etwa 90-100m langen Propeller würden die Anlagen auf bis zu 210m anwachsen und die Schwarzwaldlandschaft überragen! Und doch war es kein Stolz, der in seiner Stimme mitschwang, sondern das Wissen um die ernsthaften und begründeten Bedenken aus der Bürgerschaft und auch von vielen anwesenden Mitgliedern aus dem CDU Kreisvorstand.

Der Kreisvorsitzende Thomas Blenke MdL ließ in seinen Aussagen keinen Zweifel aufkommen, dass sich die CDU Landesregierung an ihre eigenen Zielvorgaben halten werde: Im Rahmen des Energiekonzepts 2020 wurde festgelegt, dass bis zum Jahr 2020 der Anteil der erneuerbaren Energie an der Stromversorgung auf 20% erhöht werden soll. Dazu sind nach wie vor große Anstrengungen nötig, liegt der Anteil der erneuerbaren Energien derzeit bei nur knapp 10%. »Die Erreichung dieser Ziele wird allen Regionen Baden-Württembergs einen Kraftakt abverlangen«, so Blenke. Diese Einschätzung teilt Dirk Büscher, hauptamtlicher Verbandsdirektor des Regionalverbands Nordschwarzwald, dessen Behörde über die künftigen Windkraftstandorte entscheidet. Man sei sich dabei bewusst,  dass diese Vorhaben in der Bürgerschaft und auch bei vielen Gemeinderäten auf wenig Gegenliebe stoßen werden. Er ist jedoch davon überzeugt, dass auch der Kreis Calw seinen Anteil zu einem nachhaltigeren Energiemix leisten muss, auch wenn die Schwarzwaldlandschaften sicherlich schützenswerte Gebiete seien.

Dieter Hübner, Vertreter der örtlichen Bürgerinitiative gegen die Landschaftszerstörung, lässt dagegen kein gutes Haar an dem Windkraftprojekt und macht seinem Unmut deutlich Luft: »Die riesigen Windräder verschandeln nicht nur die Landschaft, sondern wirken in der Erscheinung auch noch so dominant, dass sie alle Blicke anziehen.« Unverständlich findet er, dass weder das angrenzende Schutzgebiet Enztal noch das FFH-Schutzgebiet Konsequenzen für den Bau der Anlagen haben. Zudem habe die Landesregierung einen Auerhahn-Aktionsplan verabschiedet, der die bedrohte Vogelart schützen soll, die auch in dem betroffenen Gebiet lebt. Ein entsprechendes Gutachten über den Lebensraum des Auerhahns ist derzeit noch in Entstehung – dessen Ergebnisse sieht auch Bürgermeister Kistner als bindend für das Projekt.

Das für diese Zwecke aufgegriffene Auerhuhn kennt auch Gerhard Feeß, der seinerzeit als Bürgermeister in Simmersfeld die Errichtung des bis dato größten Windparks in Baden-Württemberg betrieben hatte. »Das Auerhuhn ist schützenswert, keine Frage. Aber der eigentliche Konflikt findet im Kopf statt – da geht es nicht um die Vernunft, sondern um das ungewohnte Bild, das durch die Errichtung der Windkraftanlagen plötzlich entsteht.« Dem konnte auch Klaus Mack, Bürgermeister aus Bad Wildbad, nur zustimmen – die Entscheidung pro oder contra Windrad sei stark subjektiver Natur. Und doch hält er fest: »Als Simmersfeld auf der Agenda stand, wurde uns versprochen, dass der Kreis Calw anschließend von weiteren Anlagen verschont bleibt.« Die jetzt entstandene Planungssituation sei im Hinblick auf die Verlässlichkeit der Politik sicher fragwürdig.

Thomas Blenke macht in der anschließenden Aussprache deutlich, dass er die Aussage des zuständigen Wirtschaftsministers Pfister für wenig intelligent hält. Der hatte »mehr Mut zur landschaftlichen Sichtbarkeit« gefordert und damit den Abgeordneten auf die Palme gebracht: »Die Sichtbarkeit so zu betonen und damit bewusst die sensible Landschaftsführung des Schwarzwalds aufzugeben, halte ich für fatal.« Beim Bau von Windrädern sei logisch, dass diese nicht unter Tage entstehen – aber die Sichtbarkeit gezielt hervorzuheben hält er für eine falsche Verschiebung der Schwerpunkte. Blenke: »Das fordert doch geradezu die Missachtung des Landschaftsbildes heraus. Uns ist der Erhalt der unberührten Schwarzwaldlandschaften wichtig.« Die emotionale Diskussion kühlte ab als Günther Bächle, der Vorsitzende der CDU Fraktion im Regionalverband darauf hinwies, dass seine Fraktion einen Prüfantrag an die Landesregierung gestellt habe, durch den eine klare Aussage herbeigeführt werden soll, wie schützenswert das Landschaftsbild sei und wie eine solche Regelung in der Praxis aussehen soll.

Von: Benjamin Finis | CDU Pressereferent