Kreis Calw/Oberhaugstett. Dass die CDU-Mitglieder viel Gesprächsbedarf mitbringen, hatte sich schnell abgezeichnet am Kreisparteitag im Löwen in Oberhaugstett. Der Kreisvorsitzende Thomas Blenke hatte den außerordentlichen Parteitag einberufen, nicht nur um nötige Delegierte für die anstehenden Parteitage zu wählen, sondern auch um mit den Mitgliedern das Superwahljahr und die beiden Ergebnisse zu diskutieren. Trotz Stimmenverluste konnte die CDU sowohl bei der Landtagswahl mit Thomas Blenke, als auch mit Klaus Mack bei der Bundestagswahl das Direktmandat im Nordschwarzwald halten.
Für den CDU-Kreisvorsitzenden gab es an dieser CDU-Versammlung nichts schönzureden. „Das Wahlergebnis der Bundestagswahl stellt uns nicht zufrieden“, sagte Thomas Blenke. Es gehe jetzt um nichts anderes als den Fortbestand der CDU als Volkspartei. „Wir müssen uns als Union komplett neu aufstellen.“ Es reiche nicht nur, den Rücktritt von Armin Laschet zu fordern. „Wir stellen uns darauf ein, dass die Ampel kommt; die Union steht jedoch jederzeit für Gespräche bereit. Dafür brauchen wir jetzt vermehrt unverbrauchte und auch junge Köpfe“, so Blenke weiter. Im Land sei man mit dem 33-jährigen Manuel Hagel an der Spitze der Landtagsfraktion einen ersten Schritt zur Erneuerung bereits gegangen.
Große Freude herrschte darüber, dass man mit Klaus Mack als Nachfolger von Hans-Joachim Fuchtel das Direktmandat trotz prominenter Mitbewerberin halten konnte. „Ein großes Dankeschön gilt heute auch unserem langjährigen Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel. Wir werden dein Lebenswerk mit einer großen Feier im nächsten Jahr angemessen würdigen“, kündigte Blenke an.
Der frisch gewählte Bundestagsabgeordnete Klaus Mack nutzte seine Rede für einen Rückblick auf den Wahlkampf. „Ich möchte vor allen Dingen den vielen Helfern, Spendern und meinem Team danken.“ Mit neuen Ideen und innovativen Formaten habe man das Direktmandat halten können. „Wir waren insgesamt sehr präsent im Wahlkampf: sei es auf Märkten und im Haustürwahlkampf, bei Eisaktionen der Frauenunion oder online mit dem „Studio Heimatblick“ oder dem Imagefilm der Jungen Union. Wir können wirklich stolz sein auf unsere jungen Leute in der Partei“, sagte Mack.
Mack stellte sich bereits auf die Oppositionsrolle ein. Es gehe jetzt darum, die Chance in der Opposition zu nutzen. „Ich sehe ein großes Potential, die Union in der Opposition zu erneuern.“ Seine ersten Tage in Berlin habe er vor allem mit Workshops und Einführungsseminaren für seine neue Aufgabe verbracht. „Es ist organisatorisch gerade sehr viel zu tun - vom Büroaufbau, Mitarbeiter einstellen und sich im Parlamentsbetrieb zurechtzufinden.“ So kommt es am Rande der Fraktionssitzung schon auch mal zu einem kurzen Gespräch mit dem CSU-Chef Söder. In der bayrischen Staatskanzlei haben man sehr wohl wahrgenommen, dass ein Kommunalpolitiker gegen die SPD-Vorsitzende gewonnen habe.
Nachdem das Wahlergebnis aufgearbeitet wurde, gehe es jetzt darum die Weichen für die Zukunft zu stellen. Um wieder Vertrauen zu den Menschen und vor allem auch zu den Mitgliedern aufzubauen, sprach sich Blenke für eine stärker Einbeziehung der Basis aus. „Eine Mitgliederbefragung, wer unser neuer Vorsitzender werden soll, halte ich für angebracht“, sagte Blenke. „Wir müssen bei dieser Frage unsere Mitglieder einbeziehen. Ich werde das Votum aus Calw in die Kreisvorsitzendenkonferenz weitertragen.“
An der anschließenden Diskussion beteiligten sich neben Vereinigungsvorsitzenden und Oberbürgermeister auch viele einfache Mitglieder. Insgesamt wurde der Vorschlag einer Mitgliederbefragung, bei wenigen Gegenreden, begrüßt. „Mehr Demokratie wagen“, war aus dem Publikum zu hören. Einer Doppelspitze, wie sie bei SPD, Grünen oder auch der AfD praktiziert wird, können die meistens CDU-Mitglieder nichts abgewinnen. Einig ist man sich aber in der Rolle für die nächsten vier Jahre. „Wir müssen jetzt mit Demut in Opposition gehen“, sagte einer der Anwesenden.
Kritik gab es insbesondere an den Themen des Wahlkampfs. Die CDU habe sich nicht immer eindeutig positioniert. „Wir müssen den Mut haben, auch unbequeme Themen anzugehen, wie beispielsweise Gentechnik oder Atomkraft.“ Die CDU müsse wieder eigene Themen und inhaltliche Akzente setzen. So, ist man sich sicher, könne man in den nächsten Jahren viele Wähler von der AfD zurückholen. Wer die CDU in Zukunft führen soll, ist bundesweit mindestens so umstritten wie beim Kreisparteitag in Calw. Genannt wurden der MIT-Vorsitzende Carsten Linnemann, Gesundheitsminister Jens Spahn, aber auch der Außenexperten Norbert Röttgen stößt bei manchen Calwer CDU-Mitgliedern auf Sympathie.
Für den Bundesparteitag, der den neuen Bundesvorsitzenden und Bundesvorstand wählt, wurde der Kreisvorsitzende Thomas Blenke als Delegierter gewählt. Für den Landesparteitag im November, bei dem ebenfalls Vorstandswahlen anstehen, wurden Thomas Blenke, der stv. Kreisvorsitzende Carl Christian Hirsch (Nagold) und Kreisgeschäftsführerin Ursel Pfrommer (Oberreichenbach) gewählt.
Dass die Bereitschaft und der Wille für junge und unverbrauchte Köpfe in der CDU schon jetzt da sind, zeigen vor allem die Wahlen zum Bezirksparteitag. Ein großer Teil der folgenden Delegierten sind zum ersten Mal gewählt worden: Engül Köhler (Egenhausen), Julian Däuble (Haiterbach), Carl Christian Hirsch (Nagold), Luisa Koch (Enzklösterle), Ursel Pfrommer (Oberreichenbach), Rebecca Maisenbacher (Oberreichenbach), Angelika Holzäpfel (Althengstett), Rosemarie Röhm-Frenzel (Wildberg), Jochen Kawerau und Thomas Baitinger (beide Nagold).

Ansprechpartner

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag