Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union (JU) hat der Kreisverband Calw mit dem Video „#Blaulicht-Tour2019“ einen Preis für die beste Kampagne bekommen. „Doch das war erst der Anfang“, zeigte sich die JU-Vorsitzende im Kreis, Luisa Koch, am Donnerstagabend im gut besuchten Würzbacher Bauerntheater kämpferisch.
Damit beeindruckte sie auch Landesinnenminister Thomas Strobl sowie den Vorsitzenden der Konferenz der innenpolitischen Sprecher von CDU/CSU und Landtagsabgeordneten Thomas Blenke. Beide waren an diesem Abend der Einladung der JU gefolgt, sich mit den Ergebnissen der Arbeit der Nachwuchspolitiker rund um das Thema Ehrenamt auseinanderzusetzen und anschließend als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion Stellung zu beziehen.

Dass es an diesem Abend so einvernehmlich zugeht, liegt an dem Papier, dass die Junge Union zusammen mit den Feuerwehren im Kreis Calw, dem DRK, der DLRG und dem THW erarbeitet hat und das gleich zu Beginn des Abends an den Innenminister überreicht wird.

Eine gemeinsame Nachwuchskampagne soll nach dem Vorbild der erfolgreichen Polizei-Kampagne finanziell unterstützt werden. Werbematerial sollte vonseiten des Ministeriums für Inneres, Digitalisierung und Migration in Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt werden. Zudem sollte es in jeder Kommune eine Stelle geben, die die örtlichen Organisationen bei diesem Anliegen professionell unterstützt.
Gefordert wird die Einführung einer Ehrenamtskarte nach bayerischem Vorbild als sichtbares Zeichen der Anerkennung. Damit könnten Ehrenamtliche verschiedene Vergünstigungen bei Freizeitangeboten erhalten.

Die sieben in ihm festgehaltenen Forderungen entsprechen in den meisten Fällen einfach dem gesunden Menschenverstand. So fordert die JU neben dem Abbau von Bürokratie eine angemessene Entschädigung, wenn Rettungskräfte zu einem Einsatz ausrücken müssen. Bei den Gesprächen mit den Feuerwehren im Kreis hat die Junge Union festgestellt, dass die Sätze stark variieren. Deshalb fordert diese eine einheitliche angemessene Mindestentschädigung.

Etwas komplizierter wird es dagegen beim Arbeitszeitengesetz, von dem sich die Rettungskräfte eine Flexibilisierung wünschen. Mit zu starren Arbeitszeiten lassen sich demnach Beruf und Ehrenamt nicht vereinbaren. Da das Arbeitszeitengesetz aber Bundessache ist, kann Strobl hier ganz elegant den schwarzen Peter an den Koalitionspartner abschieben. "Gewerkschaften sind oft gegen eine Flexibilisierung. Im Bund regieren wir mit der SPD. Und die SPD hört nun mal auf Gewerkschaften", merkt der baden-württembergische CDU-Chef süffisant an.

Prompte Hilfe verspricht Strobl hingegen gleich beim ersten Punkt des zweiseitigen Papieres: eine bessere Unterstützung vom Land bei der Nachwuchsgewinnung. Gleich am nächsten Tag wolle der Innenminister mit dem Kultusministerium sprechen, um Schule und Rettungskräfte besser miteinander zu vernetzen.

Dass besonders dieses Thema den Rettungskräften unter den Nägeln brennt, wird in der anschließenden Talkrunde deutlich. "Wir haben eine Geschichte in Deutschland, aber auch eine Zukunft –¬ und die sollte uns wichtiger sein", moniert Kreisbrandmeister Hans-Georg Heide. Genau wie eine Fahrt zur KZ-Gedenkstätte in Dachau stellt er sich einen Besuch von Schulklassen bei der DRK-Landesschule in Pfalzgrafenweiler und der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal vor – beides laut Heide vorbildliche Einrichtungen. "Mit diesen Edelsteinen würden wir Licht in die Jugendlichen scheinen lassen", ist sich der Kreisbrandmeister sicher.

Auch Walter Beuerle, DRK-Präsident des Landkreises Calw, sagt auf der Bühne: "Das Thema Nachwuchs beschäftigt uns sehr." Als "größte politische Fehlentscheidung" bezeichnete er die Aussetzung des Wehrdienstes, weil dadurch auch der Zivildienst weggebrochen ist. Beuerle: "Die Politik hat uns dadurch ein riesiges Potenzial weggenommen." Umso wichtiger sei eine frühzeitige Vernetzung von Rettungskräften und Schule. Dort will auch der DRK-Kreisbereitschaftsleiter Holger Maisenbacher ansetzen, der aus dem Publikum heraus fragt: "Bei uns in der Schule wird so viel gelernt. Warum nicht auch Reanimation? Das rettet wirklich Leben."

Richtig emotional wird es beim Thema Ehrenamtskarte, die für die Rettungskräfte eine spürbare Anerkennung ihrer Arbeit bedeuten würde. Kreisbrandmeister Heide schwebt eine bundesweit gültige Karte vor, die dem Eigentümer "ohne Wenn und Aber" Vergünstigungen beim Einkauf gewährt. Monika Geiger, die seit 40 Jahren Mitglied beim DRK Calw ist und zum Notfallnachsorgedienst gehört, unterstreicht das, als das Mikrofon durch den Saal geht: "Bei jedem Bäcker und Metzger bekommt man ein Stempele. Wir brauchen ganz dringend eine Ehrenamtskarte, weil wir ganz dringend neue Leute brauchen." Die Karte hätte zudem den Vorteil, transparenter zu machen, wie ehrenamtliche Arbeit funktioniert. "Ich wurde schon gefragt, wie viel ich beim DRK verdiene. Die Leute wissen gar nicht mehr, wie das Ehrenamt funktioniert", so Geiger.

Dass Strobl am Ende das Theaterhaus mit vielen Schulterklopfern verlässt, liegt auch daran, dass er es versteht, die Sprache der Rettungskräfte zu sprechen. Viel Applaus erhält er für seine Feststellung, dass ihr Einsatz keine Selbstverständlichkeit sei. Seine Forderung nach der Bildung von Rettungsgassen auf Autobahnen, was die Polizei künftig strenger kontrollieren werde, wird ebenso lautstark beklatscht wie seine harsche Kritik an Gaffern. "Dieses idiotische Gaffen und das noch idiotischere Filmen – das geht gar nicht und dagegen werden wir vorgehen", schimpft Strobl und schiebt hinterher: "Unsere Polizei und unsere Rettungskräfte haben keine Gewalt, sondern Dank und Respekt verdient." Sätze, die nur allzu deutlich machen: Es ist eben ein echtes Heimspiel für den Innenminister.

Diese sieben Forderungen stellt die Junge Union an die Politik:

 1. Landkreis und Land sollen die Rettungskräfte bei einer gemeinsamen Kampagne unterstützen, Nachwuchs zu gewinnen.
 2. Einführung einer Ehrenamtskarte nach bayerischem Vorbild.
3. Erhöhung des Landesrichtsatzes für Entschädigungen bei Einsätzen auf mindestens elf Euro pro Stunde.
4. Kompensation von Arbeitsausfällen bei Einsätzen.
5.  Flexibilisierung des Arbeitszeitengesetzes.
6.  Entschlackung der Dokumentationspflichten.
7. Besserer Austausch zwischen Rettungskräften und allen politischen Ebenen.

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