Kreis Calw/Überberg. Wenige Monate liegen hinter der Verkündung Hans-Joachim Fuchtels, nicht erneut für den Deutschen Bundestag zu kandidieren. Wenig später hatte Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack seine Ambitionen öffentlich gemacht. Und auch der in Haiterbach wohnhafte Geschäftsführer Dr. Alessandro Pagella bewarb sich für die Nachfolge Fuchtels.

In den vergangenen Wochen haben die beiden Bewerber beinahe alle Stadtverbände und Vereinigungen der CDU in den Kreisen Calw und Freudenstadt besucht und um die Stimmen der Mitglieder geworben. Schließlich sind es die Mitglieder, die bestimmen, wer für die CDU in Calw/Freudenstadt im nächsten Jahr in den Bundestag einziehen soll. Terminiert ist diese Entscheidung auf den 23. Oktober 2020. Ort des Geschehens ist die Stadthalle in Nagold.

Vergangenen Woche stellten sich beide Bewerber dem CDU-Kreisvorstand Calw im Überberger Hirsch vor. Anschließend erfolgten zwei unabhängige Fragerunden. Dass die CDU gewillt ist, dass Direktmandat auch 2021 zu holen, machten beide Bewerber in ihren Ausführungen deutlich. Zunächst rief Sitzungsleiterin Ingrid Bauer, die den Kreisvorsitzenden Thomas Blenke vetrat, Alessandro Pagella auf.

Der Bereichsleiter und Geschäftsführer eines Kabelwerks in der Nähe von Aachen begann seinen Vortrag, damit, dass Führungsverantwortung bedeutet, Verantwortung sowohl für das große Ganze, als auch den einzelnen Menschen zu tragen. Dies bedeute Mut und Augenmaß. Insbesondere in schwierigen Zeiten sind Entscheidungen oft mit Schicksalen verbunden. Das dürfe man nicht aus den Augen verlieren. Eben diese Verantwortung sei er aber bereit, als Bundestagsabgeordneter zu übernehmen. „Als CDU haben wir Verantwortung für Deutschland, für den Wahlkreis und für jeden einzelnen Menschen.“


Pagella knüpfte mit seinem Werdegang an. Als Sohn eines italienischen Gastarbeiters habe er in Freudenstadt Abitur gemacht, in Nagold seinen Wehrdienst geleistet und dann an der Universität Stuttgart studiert sowie promoviert. Berufliche Stationen führten ihn durch die IT-Branche, die Unternehmensberatung und schließlich in die Geschäftsführung in der Industrie - und auch ins Ausland. Seinen wirtschaftlichen Sachverstand und seine internationale Erfahrung stellt der Familienvater und Jugendfußballtrainer des VfR Beihingen voran: „Unsere kleinen und mittelständischen Betriebe im Wahlkreis sind über die Beschäftigungsquote der Garant unseres Wohlstandes!“

Sorgen mache ihm der Strukturwandel, der viele gesellschaftlichen Bereiche nicht erst durch Corona betreffe. Klimawandel, digitaler Wandel und die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise seien die großen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. „Wir brauchen in der Regierung wirtschaftlichen Sachverstand. Die Politik ist ein schlechter Unternehmer. Aber sie kann den richtigen Rahmen setzen.“

Zur Infrastruktur fällt ihm auf, dass an vielen Stellen im Wahlkreis immer noch eine schlechte Versorgung mit Breitbandinternet sowie eine unzureichende Mobilfunkabdeckung besteht. „Ich schlage vor, dass wir eine angemessene Bandbreite definieren und im Gesetzestext festschreiben, damit der Ausbau vor allem mit Glasfasern beschleunigt wird.“ Zu sprechen kommt Pagella auch auf die älteren Mitbürger. „Wir müssen diesen Menschen ein lebenswertes Umfeld schaffen. Die medizinische Versorgung muss gewährleistet sein und dem Ärztemangel auf dem Land muss begegnet werden.“ Frühe Bindung von Medizinstudenten mit Bezug zur Region seien eine Möglichkeit hierzu.

Der Ärztemangel war auch ein Thema, dass der zweite Bewerber Klaus Mack ansprach. Er sieht neben einer systemischen Lösung seitens des Bundes im Gesundheitssystem, auch einen regionalen Ansatz. Mithilfe von regionalen Gesundheitszentren, wie sie der Regionalverband vorantreibt, und einem mobilen medizinischen Dienst, der die Telemedizin zu Hilfe nimmt, könne dieses Problem angegangen werden.

Klaus Mack machte seine Verfestigung in der Region deutlich. Geboren auf der schwäbischen Alb, kam er als Hauptamtsleiter nach Enzklösterle. Dann folgte die Karriere als Bürgermeister ebenda, später in Bad Wildbad mit Wiederwahl. „Ich habe mich früh in der CDU eingebracht, in der Mittelstandsvereinigung und im Kreistag. Mir ist vor allem wichtig, dass wir regional denken. Die Gemeinsamkeiten der Menschen hier müssen hervorstechen.“ Sein regionales Netzwerk und seine Funktionen kämen ihm bei der Ausübung des angestrebten Amtes zugute.„Wir müssen die Probleme vor Ort sammeln und nach Berlin tragen.“

Thematisch zieht sich durch Macks Vortrag die Entwicklung des ländlichen Raumes. Die Infrastruktur und der Mobilfunk hätten Nachholbedarf, weil seit 30 Jahren viele Bundesgelder in den Osten fließen. In Sachen Mobilität müssten neue Mobilitätsformen gedacht werden. Aber anders als Pagella, steht Mack zum Diesel. „Wir sind die einzige Nation, die ihre beste Innovation schlechtredet“, verdeutlicht der Vorsitzende des Regionalverbands Nordschwarzwald. Neben den Sorgen der Gastronomen durch den Corona-bedingten Umsatzeinbruch, spricht er auch den Wandel der Landwirtschaft an. „EU-Gelder müssen auch wirklich bei den Landwirten ankommen, damit sie auf dem Weltmarkt bestehen können. Sonst könnte es sein, dass es bald keine regional erzeugten Lebensmittel aus Deutschland gibt.“

Mack verweist auf seine über Jahre gewachsenen Verbindungen bis in die Ministerien nach Berlin. „Sie kennen mich. Ich möchte mein Engagement und meine Erfahrungen einbringen und ihnen mit meiner Person ein Angebot machen. Und Sie wissen: ich kann Wahlen gewinnen.“

Pagella warb dafür, zu einer Politik ohne Abhängigkeiten und ganz nah am Bürger zurückzukehren, um der Politikverdrossenheit zu begegnen. „Wir dürfen die schwierigen Entscheidungen unserer Zeit nicht in Hinterzimmern treffen, sondern im Dialog mit dem Bürger, hier vor Ort im Wahlkreis. Zudem dürfen wir den Wandel nicht verwalten, sondern müssen ihm begegnen.“

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