Kreis Calw. Im Mittelpunkt der letzten Online-Diskussion der Jungen Union im Kreis Calw stand die Situation von Schülern und Studenten während der Pandemie. Im Studio Heimatblick in der Alten Seminarturnhalle in Nagold begrüßten die JU-Kreisvorsitzende Luisa Koch und ihr Stellvertreter Julian Däuble für die politische Seite den Landtagsabgeordneten Thomas Blenke, seinen Zweitkandidaten Carl Christian Hirsch und den Bildungsexperten der CDU-Landtagsfraktion, Karl-Wilhelm Röhm. Die Podiumsteilnehmer wollten in erster Linie von den zugeschalteten Schüler- und Studentenvertreter aus Nagold und Bad Liebenzell wissen, wie sie im letzten Jahr den Schul- und Studienalltag erlebt haben und wo die Probleme vor Ort liegen.

Einen Überblick über den Nagolder Schulalltag konnte Kasjan Krokos, Schülersprecher am Otto-Hahn-Gymnasium in Nagold, geben. Der Schülersprecher begrüßt zwar, dass die Kursstufen wieder im Wechselunterricht in die Schule gehen und sieht keine Probleme bei der Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern, allerdings würden die Schüler große Wissenslücken beklagen. Die Schüler treibe die Sorge um, dass Grundlagen für die letzten Schulklassen und schließlich für das Abitur fehlen würden. „Durch die Pandemie sind viele Begegnungen eingeschränkt, vor allem im sozialen Bereich. Auch das fehlt uns allen“, sagte Kasjan Krokos.

Karl-Wilhelm Röhm lobte in seiner Antwort das vom OHG betriebene Unterrichtskonzept mit zwei digitalen Doppelstunden am Tag. Röhm schlug vor, zusätzliche Unterrichtsangebote an Wochenenden und in den Ferien anzubieten. Es dürfe außerdem nichts geprüft werden, was nicht im Unterricht behandelt worden ist. Die Forderung nach mehr Präsenzunterricht und -lehre unterstützte Röhm. „Wir müssen eine Rückkehr finden und die Tests sowie Impfungen der Lehrer begünstigen das“, ergänzte der Bildungspolitiker.

Zwar ist der Kreis Calw nicht bekannt für seine Hochschullandschaft, doch durch die Pandemie und „Home-University“ sind viele Studenten aus dem Kreis Calw wieder zurück zu den Eltern gezogen. Einen Eindruck über die Situation von Studenten gaben Matthias Rein und David Härle von der Internationalen Hochschule in Bad Liebenzell. Durch Wohngruppen auf dem Campus konnten die Liebenzeller Studenten die Gemeinschaft halten, Online-Vorlesungen prägten die Lehre im letzten Jahr und Prüfungen wurden in Präsenz geschrieben. Beklagt wurde, dass die Bibliothek der privaten Hochschule geschlossen war. Auch die Erstsemester hätte einen nicht so leichten Start im Oktober gehabt. Allerdings funktioniere auch hier die Kommunikation mit den Dozenten gut. Durch den Wegfall von Nebenjobs würde außerdem Lücken in der Finanzierung der Studiengebühren entstehen. Hier wünschen sich die Studenten mehr Hilfen vom Staat sowie bei der finanziellen Förderung der privaten Hochschule in Liebenzell. Der Calwer Abgeordnete Thomas Blenke sagte seine Unterstützung für die privaten Hochschulen im Land zu: „Seitens der CDU befürworten wir es, dass private Hochschulen die gleichen Förderungen erhalten wie staatlichen Hochschulen.“

Die Arbeit des Jugendgemeinderats Nagold liege aktuell auch brach, die wenigen Sitzungen laufen digital ab, erzählte der Vorsitzende Berker Aydogdu. Auch als Reaktion auf den Brandbrief der Jugendvertretung wurden die beiden Vorsitzenden zur Online-Diskussion eingeladen. Berker Aydogdu berichtete, dass Fußballturniere und Veranstaltungen derzeit nicht durchführbar seien.

Seitens der Schüler und Studenten wurde der steigende soziale Druck beklagt. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und ehemalige Rektor Röhm meinte, es müssten die wichtigsten Fächer priorisiert werden. Außerdem wünschen sich die Jugendlichen ein besseres „Gehört werden“ der jungen Interessen. „Mit dieser Diskussion wollen wir genau das erreichen“, ergänzte der stv. JU-Kreisvorsitzende Julian Däuble und bot an, dass die JU jederzeit für Gespräche offen sei und gerne an politische Entscheidungsträger vermittle. Thomas Blenke fügte hinzu: „Mit der JU habt ihr einen natürlichen Ansprechpartner für all eure Belange“.

Carl Christian Hirsch, selbst Vater von zwei kleinen Kindern, zeigte sich verständnisvoll für die Situation der Jugendlichen. „Wir haben bis hier her viel Negatives gehört. Die Pandemie hat aber gezeigt, dass bei aller Digitalisierung, der Wert des Präsenzunterrichts und des sozialen Miteinanders gestiegen ist“.

Der Landtagsabgeordnete Thomas Blenke nutzte den Austausch mit den Jugendlichen um ihnen für ihr Engagement vor Ort zu danken. „Ihr seid echte Vorbilder, wenn ihr euch in eurer Freizeit und in jungen Jahren schon für Eure Mitschüler z.B. im Jugendgemeinderat einbringt“.

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