Die Corona-Krise sei noch nicht beendet. „Wir müssen höllisch aufpassen“, so der Eingangsappell des CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Thomas Blenke, der per Videochat mit dem CDU-Kreisvorstand verbunden war und auch die Tourismus-Vertreter der Region und den Tourismusminister des Landes, Guido Wolf, zu Gast hatte. Neben DEHOGA und der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald waren auch CDU-Bürgermeister aus dem Kreis Calw vergangenen Freitag zugeschaltet. Blenke betonte, dass der Tourismus im Kreis „das Standbein neben dem Mittelstand“ sei. Daher seien die letzten Wochen wichtig für die Branche gewesen. „Der Nordschwarzwald lebt von den Gästen.“

Minister Wolf zeigte sich mitfühlend mit den vielen Gastronomen im Land: „die letzten Wochen haben gezeigt, dass eine Branche in purer Verzweiflung ist“. Gaststätten seien mehr als nur ein Unternehmen, „sie sind Treffpunkte und Begegnungsstätten.“ Die Betriebe zu schließen sei aber den stark steigenden Infektionszahlen zunächst gerechtfertigt gewesen. Jetzt müsse die Situation entlang der stabilen Infektionszahlen jedoch ständig neu bewertet werden.

Die Landesregierung tue alles, um der gebeutelten Branche dabei zu helfen, diese schwere Krise zu überstehen. Bundes- und Landesregierung hätten mit einem Dreischritt verbesserte Bedingungen geschaffen. Zunächst sei hier die Herabsetzung der Mehrwertsteuer auf 7% in der Gastronomie auf ein Jahr zu nennen. Für den zugeschalteten Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel ein für „uns teuer bezahlter Deal“, den die SPD nur geduldet habe, weil der Kurzarbeitergeld-Anteil des Bundes erhöht werde.

Wolf warf voraus, dass er einer Verlängerung zuversichtlich entgegensieht: „Die Krise ist ja in einem Jahr nicht vorbei.“ Durch die derzeitige Situation könnten die Unternehmen nicht das Geschäft machen, was sie brauchen. Diese Herabsetzung könne aber dazu beitragen.

Als zweiten Schritt nannte Wolf ein Hilfspaket für Betriebe der Gastronomiebranche, dass die Landesregierung vorbereite. „Ich erwarte hier Tempo von den Grünen“, die das Finanzministerium in Stuttgart bekleiden. „Wenn der Kampf verloren ist, hilft kein Paket mehr“, so Wolf weiter.

Drittens komme die Öffnung für Speisegaststätten in Baden-Württemberg unter strengen Vorschriften zum 18. Mai. „Es wird höchste Zeit für die Betriebe. Diese Branche ist sehr gebeutelt. Dennoch bleiben wir vorsichtig bei den Lockerungen.“

Einem derzeit immer wieder diskutierten Alkoholverbot trat Justizminister Guido Wolf auch im Gespräch mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) entschieden entgegen: „Völlig deplatziert“ und es gälte, auf Eigenverantwortung zu setzen.

Gastronomiebranche ist startklar

Dass der Gastrobetrieb wieder an Fahrt aufnimmt, begrüßte die Vertreterin der DEHOGA im Kreis, Ricarda Becker. Stellvertretend für den DEHOGA-Kreischef Rolf Berlin dankte sie dem Minister für sein Engagement um die Landeshilfen. „Wir wissen die Maßnahmen des Soforthilfe-Programms zu schätzen“. DEHOGA habe viel positives Feedback von den Betrieben bekommen. „Wir werden nicht im Stich gelassen“, so die stellv. Hoteldirektorin des Hotel Therme Bad Teinach. Die Gastronomen im Kreis seien dabei, die Maßnahmen umzusetzen. Eigens für die vielen Hygienevorschriften habe die DEHOGA bereits eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die Hoteliers und Gastronomen hinsichtlich der Vorschriften unterstützt. Eine DEHOGA-Beratungsstelle auf Landesebene sei im Gespräch.

„Wir sind als Kreisverband Vorreiter was die Maßnahmen angeht und blicken positiv auf die kommenden Wochen.“ In enger Abstimmung mit dem Landratsamt würden die entsprechenden Vorbereitungen getroffen, um am 18. Mai „endlich“ starten zu können. Andererseits betont Becker, dass Hotels und Restaurants schon immer einen hohen Hygienestandard pflegten. „Die Hygieneregeln werden natürlich nicht neu erfunden“, bestätigt Wolf. Dem Landratsamt wolle DEHOGA vorschlagen, einen Hygienebeauftragten pro Betrieb zu bestimmen, der sich um entsprechende Vorschriften kümmere und damit Bürokratie verringert.

Wie sich die Vorschriften ausgestalten, hakt sich auch Klaus Mack, Bürgermeister in Bad Wildbad, ein. Der Vorsitzende des Regionalverbands Nordschwarzwald schlägt vor, die Zeit der Krise zu nutzen, um sich dauerhaft darauf zu besinnen, ob die Vorschriften für Betriebe nicht generell zu hoch seien, gerade was den Brandschutz und Ähnliches angehe. „Wir brauchen hier mehr Flexibilität und müssen einfach mal entschlacken“.

„Gäste haben es in der Hand“

Bedeutend für die DEHOGA ist die Öffnung der Wellnessbereiche in den Hotels. Es müsse differenziert werden zwischen öffentlichen Bädern und Hotelpools. „Wir können dieselben Bedingungen wie ein Nagelstudio schaffen“, so Ricarda Becker. Minister Wolf konnte hier nur bedingt zustimmen. Zwar sei die Übertragung im Wasser ein kleines Risiko, dennoch sei das „Drum rum“ gefährlicher. „Ich werde mich der Bäderthematik annehmen, wir können aber nicht alles auf einmal öffnen. Die Gäste haben es in der Hand, ob die Branche aufbleibt.“

Ob und wann Familienfeiern, Hochzeit etc. in den Gaststätten wieder stattfinden können, sei laut dem Minister ungewiss. Es sei noch immer zu klären, ab wann ein Fest als Großveranstaltung gelte. Guido Wolf: „Der Vorschlag aus Hessen (100 Personen) ist ein Anfang.“

Die Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald vetrat an diesem Abend Geschäftsführer René Skiba. Laut ihm sei die Anfangsphase mit viel Verdruss bei den Betrieben vorbei. “Für uns war wichtig, dass wir Perspektiven haben.” Viele Veranstalter wie der Baumwipfelpfad würden sich auf die Öffnung vorbereiten. “Wir bauen gerade für die unterschiedlichen Veranstalter eine Netzwerk auf. Der Tourismus lebe von verschiedenen Baustellen. “Wir wollen ein gutes Angebot für die Gäste.” Wichtig sei auch, dass Lehren aus der Krise gezogen würden.

Skiba dankte der DEHOGA für die Unterstützung der Betriebe und auch dem Landtagsabgeordneten Thomas Blenke, der sich als “Schlüsselfunktion” immer wieder für die Tourismus-Branche eingesetzt habe. In enger Abstimmung mit der Tourismus BW und der Schwarzwald Tourismus GmbH würden die Vorbereitungen für eine große Kampagne für das Urlaubsland Baden-Württemberg laufen.

Hier konnte der Tourimusminister anschließen. Das Land plane eine Marketing-Strategie, um die Menschen zum Urlaub im Ländle zu bewegen. “Wir müssen aus der Not eine Tugend machen. Bleibt im Ländle!”

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